Kyoto-Preis Komitee gibt Gewinner 2006 bekannt

Meister der Plissees und Falten, Issey Miyake, erhält Kyoto-Preis

12. Juni 2006

Kyoto/Neuss - Der weltberühmte japanische Designer Issey Miyake (68) erhält für seine visionären Bekleidungskonzepte den Kyoto-Preis, eine der höchsten internationalen Auszeichnungen für Verdienste um Wissenschaft und Kultur. Weitere Preisträger sind der amerikanische Immunologe und Genetiker Leonard A. Herzenberg (74) und der Mathematiker Dr. Hirotugu Akaike (78). Der 1984 von Kazuo Inamori, dem Gründer des japanischen Technologie-Konzerns Kyocera, ins Leben gerufene Kyoto-Preis zählt neben dem Nobelpreis zu den wichtigsten Auszeichnungen auf dem Gebiet der Wissenschaft und Kultur und würdigt das Lebenswerk von Einzelpersonen oder Gruppen, die sich mit herausragenden Leistungen in ihrem Bereich verdient gemacht haben. Der Preis wird in den Kategorien Kunst und Philosophie, Hochtechnologie und Grundlagenforschung vergeben und ist pro Kategorie mit 50 Millionen Yen (rund 400.000 Euro) dotiert. Die Preisverleihung findet am 10. November im japanischen Kyoto statt.

Designer Issey Miyake
Designer Issey Miyake

Tokio – New York – Paris. So wie die Wirkungsstätten des Modeschöpfers Issey Miyake Ost und West umspannen, so vereinen auch seine Kollektionen grundlegende Konzepte westlicher und östlicher Kulturen. Unter Nutzung modernster Technologien entstehen zeitlose Kleidungsstücke, die revolutionär in der Konzeption und Herstellung, aber bequem zu tragen und universell einsetzbar sind. Seit den 1970ern verfolgt Miyake das Konzept, Kleidung aus einem einzigen Stück Stoff herzustellen. Auf dieser Grundlage entstanden seine Aufsehen erregenden Kollektionen „Pleats Please“ (Plissee Bitte) und „A-POC“. Gefertigt aus federleichtem Polyester-Plissee, der den Träger in seinen Bewegungen nicht einschränkt und dabei trotzdem seine Form behält, erobert die Kollektion „Pleats Please“ seit ihrer Präsentation 1993 Laufstege und Museen weltweit. „A-POC“, Akronym für „a piece of cloth“ führt Miyakes Vision des universellen Kleidungsstücks fort und definiert den Entstehungsprozess von Bekleidung neu: Ein Strickcomputer erstellt einen endlosen Schlauch, aus dem der Benutzer das gewünschte Kleidungsstück nach seinem Geschmack schneidern lässt.

Der Immunologe und Genetiker Dr. Leonard Arthur Herzenberg, Preisträger in der Kategorie Hochtechnologie, entwickelte als weltweit Erster ein Verfahren um lebensfähige Zellen nach ihren Eigenschaften zu sortieren. Bereits 1969 baute Dr Herzenberg mit seiner Forschungsgruppe an der School of Medicine der Stanford Universität das erste Modell seines Durchflusszytometers, kurz FACS (Fluorescence-Activated Cell Sorter) genannt. Mit dem FACS wurde es möglich, Zellen mit spezifischen Funktionen zu zählen und DNA, RNA und Protein aus einer Einzelzelle in lebensfähigem Zustand zu isolieren und zu analysieren. Das Instrument findet sowohl in der Grundlagenforschung als auch den angewandten Biowissenschaften Verwendung, zum Beispiel um den Krankheitsgrad von HIVinfizierten Patienten zu untersuchen oder den Verlauf von Leukämieerkrankungen zu bestimmen.

Der Preisträger in der Kategorie Grundlagenforschung, der japanische Mathematiker Dr. Hirotugu Akaike machte sich vor allem durch die Formulierung des nach ihm benannten Akaike Information Criterion (AIC) verdient, welches in fast allen Natur- und Ingenieurswissenschaften Anwendung findet. Um ein bestimmtes Phänomen zu verstehen oder seine Entwicklung vorherzusagen, ist es von grundlegender Bedeutung, ein angemessenes statistisches Modell zu wählen. Das AIC ermöglicht eine Auswahl nach objektiven Kriterien, auch für vielteilige und komplexe Phänomene, die große Informationsmengen umfassen.

Mit dem diesjährigen Kyoto-Preis werden bereits zum 22. Mal Persönlichkeiten geehrt, die sich um die Weiterentwicklung der Wissenschaften und Künste verdient gemacht haben. Der Preis wurde 1984 von Kazuo Inamori, dem Gründer des japanischen Technologie-Konzerns Kyocera, ins Leben gerufen und wird alljährlich von der ebenfalls durch ihn gegründeten Inamori-Stiftung vergeben. Unter anderem nahmen bereits der deutsche Philosoph Jürgen Habermas, der österreichische Musiker und Dirigent Nikolaus Harnoncourt, die Künstler Maurice Béjart und Roy Lichtenstein sowie die Primatenforscherin Jane Goodall den Preis entgegen.




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